Lieber zu Budni an die Kasse!

Veröffentlicht auf von Waldloewin

Tja, es wird immer wirklicher.

 

Ich kann meinen Job nicht mehr machen, ich will ihn nicht mehr machen.

 

Halte nur noch durch, bis die Zeit kommt, einen Weg zu suchen, der mich reizt und der gangbar ist.

 

Es fing an mit einer füchterlichen Nacht letzte Woche.

Von morgens um 3:oo bis 5:3o war ich wach - Andreas auch.

Um halb acht klingelte der Wecker.

Mein Spätdienst ging von 11:3o bis 20:oo.

Und wie es immer so kommt, wenn man eh schon schlecht drauf ist, wurde es ein äußerst belastender Dienst.

Meine Augen brannten, ich war hundemüde, ausgelaugt.

Und mit diesen Voraussetzungen sitze ich nicht an einem Schreibtisch.

Ich muß Beziehungsarbeit leisten.

Harte Beziehungsarbeit.

Mit Menschen, die eine Beziehungsstörung haben zu sich und ihrer Umwelt.

Auseinandersetzungen mit

- jungerwachsenen Jungbullen mit Drogenbackground/ Lernbehinderungen und/oder erworbenen Schädel-Hirn-Traumata, denen ich täglich aufs neue meine Unterstützung anbieten muß, für die ich organisiere, Kopfstand mache und Saltos schlage, und die mir doch wieder signalisieren, daß nichts bei ihnen ankommt, sie Absprachen nicht einhalten können, ich wieder alles umsonst gemacht habe und wieder am Anfang stehe. 

Ich werde angebrüllt, beleidigt, Türen werden mir vor der Nase zugeknallt, ich werde belogen und bedroht.

Und am nächstenTag stehe ich wieder freundlich lächelnd vor der Tür.

- schwer geistig behinderten Menschen, die sich herausfordernd oder (auf den erstenBlcik) einfach nicht sinnvoll verhalten, die meine Geduld und mein Standing immer wieder auf die Probe stellen, besonders wenn wir in der Öffentlichkeit unterwegs sind

- dem ganz normalen Wahnsinn, der täglich zu bewältigen ist in einem Alltag von ca 15 Leuten und den Anspruch von Behörden und Firma auf die Erstellung neuer Dokumentationssysteme/Qualitätsstandards/Sozialberichte/Assistenzplanung.

 

Jeden Tag aufs Neue professionell distanziert aber freundlich zugewand muß ich meine eigenen Grenzen einreißen und alle in mir rumtrampeln lassen.

 

Zu Hause angekommen, konnte ich nur noch ins Bett und vor Verzweiflung heulen, heulen und heulen.

Ich habe keine Kraft mehr für diesen Job.

Er zehrt mich aus.

Alles kommt an mich ran.

Mein Schutz ist zerfetzt...

Ich habe das Gefühl, ich gebe von mir, aus mir heraus, aus meinem Inneren.

Und so geht das nicht!

 

Klar, es sind momentan erschwerte Bedingungen.

Schlafstörungen, Fahrtweg, hormonelle Umstellung etcpp.

 

Aber o.g. ist nicht neu.

Das gab es öfter.

Auch vor der Schwangerschaft hatte ich immer wieder Phasen, in denen ich einfach nicht mehr konnte.

Unzufrieden mit meiner Arbeit bin ich immer.

Die Arbeitszeiten, der Schichtdienst, die Wochenend- und Feiertagsarbeit, die Arbeitsverdichtung, die immer krasser wird, die psychische Anstrengung...

 

Mir reichts. Ich will keine Beziehungsarbeit mehr leisten.

 

Dann lieber zu Budni an die Kasse!

 

 

 

Veröffentlicht in Alltag

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Nicole 01/27/2009 08:04

Schon heftig.
Ich könnte den Job ja auch nicht.
Gibts bei euch denn nen Budni im Ort? (Haha, nein Scherz)

Guckst Du denn andere Annoncen durch?

Waldloewin 01/27/2009 09:47



Ach, es gibt so viele Jobs, die man "nicht könnte"...


Ich mag diese Reaktionen nicht so, aber ich weiß, daß es nett gemeint ist ;)


Annoncen durchgucken brauch ich nicht. Wonach soll ich da gucken?


Ich muß etwas machen, daß nicht in irgendwelchen Kleinanzeigen steht.


Hab ja nix anderes gelernt. Und Videothek, Budni und Co... dafür brauch ich noch ne Portion mehr Verzweiflung!



Valrike 01/26/2009 13:58

Ich hoffe, Du findest einen guten Weg. Respekt hatte ich schon immer von solcher Art Beruf und weiß, dass ich das keine Woche aushalten würde.

*drück*